Was Sie über Hitze und Medikamente wissen sollten!
Sommerliche Temperaturen werden von vielen Menschen als angenehm empfunden, sie können den Körper jedoch deutlich belasten. Besonders für Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, bringt starke Hitze zusätzliche Risiken mit sich. Dieser Beitrag erklärt, warum hohe Temperaturen die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen können, welche Wirkstoffgruppen als kritisch gelten und wie Medikamente im Sommer richtig gelagert werden.
Wie Hitze den Körper verändert
Bei hohen Außentemperaturen versucht der Körper, überschüssige Wärme abzugeben. Die Blutgefäße in der Haut erweitern sich, wir schwitzen verstärkt und verlieren dabei Flüssigkeit und Elektrolyte.
Durch diese Anpassungen kann sich das Blutvolumen verringern und die Verteilung des Blutes zwischen Organen verändern – Faktoren, die Einfluss auf Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung von Medikamenten haben.
Wenn weniger Flüssigkeit im Körper vorhanden ist, können bestimmte Wirkstoffe in höherer Konzentration vorliegen und dadurch stärker wirken als gewohnt. Das betrifft vor allem Arzneimittel mit enger therapeutischer Breite sowie Medikamente, die Herz‑Kreislauf‑System oder Nieren belasten.
Medikamente, die bei Hitze problematisch sein können
Nicht alle Arzneimittel reagieren gleich empfindlich auf hohe Temperaturen. Verschiedene Fachquellen nennen bestimmte Wirkstoffgruppen, bei denen besondere Vorsicht geboten ist:
- Blutdrucksenkende Mittel (z.B. ACE‑Hemmer, Angiotensin‑II‑Rezeptorblocker, Betablocker):
Hitze senkt den Blutdruck von sich aus. In Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten kann es zu Schwindel, Kreislaufproblemen oder im Extremfall zu Ohnmacht kommen. - Diuretika („Entwässerungstabletten“):
Sie verstärken den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Bei starker Hitze steigt dadurch das Risiko für Dehydratation, Elektrolytstörungen und eine Überlastung der Nieren. - Medikamente zur Behandlung von Diabetes:
Insulin und orale Antidiabetika können an heißen Tagen anders wirken, weil sich Aktivitätsniveau, Ernährung und Flüssigkeitshaushalt verändern. Das Risiko für Unterzuckerungen ist erhöht. - Psychopharmaka und neurologische Medikamente:
Einige dieser Präparate beeinflussen die Temperaturregulation, reduzieren Schwitzen oder verändern das Durstgefühl. Dadurch kann der Körper Wärme schlechter abgeben und das Risiko für Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag steigt. - Schmerzmittel und bestimmte andere Wirkstoffe:
Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr können zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen unter Hitze die Nieren belasten oder den Blutdruck unerwartet verändern.
Nicht jeder Mensch reagiert gleich empfindlich. Besonders gefährdet sind ältere Personen, Menschen mit Herz‑Kreislauf‑, Nieren‑ oder Stoffwechselerkrankungen sowie Patientinnen und Patienten mit mehreren Dauermedikamenten.
Lagerung von Medikamenten bei Sommerhitze
Hohe Temperaturen wirken sich nicht nur auf den Körper aus, sondern können auch die Qualität von Arzneimitteln beeinträchtigen. Viele Präparate sind für eine Lagerung bei Raumtemperatur vorgesehen, meist im Bereich von etwa 15 bis 25 °C.
Werden Medikamente längere Zeit deutlich höheren Temperaturen ausgesetzt, kann sich ihre Wirkung verändern oder sie können ganz unwirksam werden, ohne dass dies von außen erkennbar ist.
Relativ unempfindlich sind die meisten Tabletten und Kapseln, sofern sie trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden. Empfindlicher reagieren Arzneimittel in flüssiger oder weicher Form, etwa Zäpfchen, Cremes, Salben, Säfte, Lösungen und Produkte für die von vorneherein eine Aufbewahrungstemperatur von 2°- 8° Celsius vorgesehen ist.
Für diese Produkte kann bei sommerlichen Temperaturen eine Aufbewahrung im Kühlschrank sinnvoll sein, idealerweise in der Tür, damit sie nicht einfrieren, und getrennt von Lebensmitteln.
Besonders kritisch ist das Zurücklassen von Medikamenten im geparkten Auto oder auf der Fensterbank in der Sonne: Dort können Temperaturspitzen auftreten, die die Stabilität und Dosiergenauigkeit beeinträchtigen.
Bei transdermalen Pflastern (z.B. Schmerz‑, Hormon- oder Nikotinpflaster) kann Hitze zudem dazu führen, dass mehr Wirkstoff als vorgesehen in den Körper aufgenommen wird.
Was Patientinnen und Patienten beachten können
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sie auch während Hitzeperioden weiterhin wie verordnet anwenden und nicht eigenständig die Dosierung verändern. Gleichzeitig ist es sinnvoll, einige Punkte zu berücksichtigen:
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, sofern keine ärztlichen Einschränkungen bestehen.
- Warnsignale wie Schwindel, starke Müdigkeit, Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme ernst nehmen und bei Bedarf medizinischen Rat einholen.
- Medikamente vor direkter Sonneneinstrahlung und Hitze schützen, insbesondere beim Transport oder während des Urlaubs.
- Bei Unsicherheit, ob ein Präparat noch verwendbar ist oder ob bei Hitze eine Dosisanpassung nötig sein könnte, fachkundigen Rat in Arztpraxis oder Apotheke einholen.